Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute,
die die Welt nie angeschaut haben
(Alexander von Humboldt)

...a young girl lived in a shining castle...


Es regnete in Stroemen. Der Wind peitschte die mit aller Macht vom Baum gerissenen Zweige, Äste und Blätter gegen die Fensterscheiben. Er wollte sich Gehoer verschaffen. Der erste wollte er sein, die frohe Botschaft des kurz zuvor geschehenen Wunders wollte er der Welt ohne Verzug kund tun. Er war nicht zu stoppen. Lauthals und ohne Rücksicht auf die vom Kaffee und Kuchenkonsum ermüdete Wohlstandsgesellschaft (es war gerade 17 Uhr durch) wütete er in den Essener Haupt- und Nebenstraßen und erweiterte mit jeder Minute seinen Radius um das Zehnfache. Es war geschehen.
9 Monate hat es gedauert. In behaglicher Wärme und angenehmer Vertrautheit und Gesellschaft ihres Zwillingsbruders wuchs sie heran und erblickte am 23. November anno domini 1982 unüberhoerbar das Licht der Welt. Nach einer halben Stunde folgte dann auch der Nachzügler und das Wettschreien war eroeffnet. Ihre 1 und 2 Jahre älteren Brüder, emotional nur bedingt involviert, rümpften nur die Nase ob des infantilen Spektakels, das die beiden Weltneuheiten boten, schließlich waren sie ja schon groß...


Gemächlich ebbte der Sturm ab. Ganz Essen war ja bereits informiert, und während der Sturm sich den Weg in die entfernteren Gebiete des Landes bahnte, den Kontinent durchfegte und die Nachricht auf der ganzen Welt verbreitete, etablierte sich bei der Essener Bevoelkerung schließlich der Plan, diesen Tag zum Nationalfeiertag zu erklären. Unorganisiertes Denken jedoch, in Verbindung mit einer Ahnung um die koelner Zukunft, erschwerte die Arbeit, und auch die Parole “Jeder ist sich selbst der Nächste“ verbreitete sich bereits von Staat zu Staat. Mutter Natur forderte ihren Tribut, und Atlantis ruhte von nun an bei den Fischen.

Kapitel 2

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